Tierbefreiungsproteste ausweiten, bei Blockupy 2014 mitkämpfen

Aufruf

Viel wird beim Kampf um eine befriedete und solidarische Gesellschaft, in der sich Menschen und Tiere frei entwickeln und frei leben können, davon abhängen, inwieweit die Freiheit von Menschen und Tieren als miteinander verbunden erkannt wird. Nicht weniger wird Voraussetzung sein, dass Menschen ein Bedürfnis entwickeln, die gegenwärtigen repressiven Verhältnisse zu überwinden, und bereit sind, diese Überwindung in der alltäglichen und politischen Praxis zusammen mit anderen emanzipatorischen Kräften zu erkämpfen.
Die Blockupy-Proteste gegen Kapitalismus, Ausbeutung, Ausgrenzung und Verelendung halten ein Potenzial bereit, sich in den gemeinsamen Kampf einzubringen und die Fremd- und Selbstverengung der Tierbefreiungsidee und -praxis aufzuheben. Das Bündnis „Tierbefreiung goes Blockupy“ ruft insofern auf, sich auch 2014 bei Blockupy zu engagieren und dieses Potenzial zu nutzen.

Zaun

Im November 2013 wurde auf der transnationalen Aktionskonferenz in Frankfurt sodann beschlossen, im Mai bei dezentralen Aktionstagen transnational gegen den Kapitalismus, gegen die Troika und die damit zusammenhängende Verelendungspolitik und Verschärfung der Ausbeutungsverhältnisse anzugehen und sich gleichzeitig einer jeglichen rechtspopulistischen und nationalistischen Europakritik entgegengestellt. Der Kampf um Solidarität, Commons (Gemeingüter) und Demokratie (von unten) wurde von einem Teil der Teilnehmer_innen als erstes gemeinsames Ziel beschlossen. Außerdem wurde die Störung der Eröffnungsfeier der neuen EZB im Herbst/Winter 2014 in Frankfurt ausgerufen. Da das genaue Datum der Eröffnungszeremonie noch nicht feststeht, wird zum „Tag X“ mobilisiert.
Wie auch im Jahr zuvor soll dieses Großereignis eingebunden sein in eine fünftägige Aktions- und Theoriewoche mit verschiedenen Protesten, mit inhaltlicher Arbeit sowie Diskussions- und Vernetzungsmöglichkeiten. Hierfür soll es unter anderem erneut ein Camp geben und eine Konferenz durchgeführt werden.

Aktivist_innen aus der Tierbefreiungsbewegung waren bei fast allen Treffen beteiligt und haben beschlossen, sich vermehrt bei Blockupy – in die Proteste aber auch in die Vorbereitung und Organisation – einzubringen und Blockupy zu unterstützen. Als Arbeitstitel des Bündnisses wurde bei einem Treffen im März „Tierbefreiung goes Blockupy“ gewählt. Vier, miteinander verschränkte Aufgaben sind diesem Zusammenschluss zentral:

  1. Innerhalb des Blockupy-Bündnisses und der radikalen Linken die Befreiung der Tiere als lebensnotwendig für die tierlichen Individuen und als wichtigen Teil des Kampfes gegen Unterdrückung, Kapitalismus und Klassengesellschaft bewusst machen und zugleich für die kämpfende Praxis neue Bündnispartner suchen;
  2. Im Rahmen der Blockupy-Proteste die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung auffordern und unterstützen, ihre Arbeit an der Gesellschaftsanalyse voranzutreiben, die derzeitigen unterschiedlichen Positionen und deren gesellschaftspolitischen Konsequenzen offenzulegen und Widersprüche aufzuzeigen;
  3. Zusammen mit den anderen Aktiven der Tierbefreiungsbewegung erarbeiten, warum deren Ziele mit den anderen Zielen der radikalen Linken verbunden sind;
  4. Innerhalb des Blockupy-Bündnisses und aus der gemeinsamen kämpfenden Praxis heraus eine emanzipatorische Gesellschaftskritik entwickeln und gemeinsam
    Möglichkeiten zur grundlegenden Gesellschaftsveränderung erarbeiten und durchzusetzen versuchen.

Um diese Aufgaben wahrnehmen zu können, benötigen wir die Unterstützung und Einmischung möglichst Vieler. Wir rufen hiermit auf, sich an den Protesten zu beteiligen und sich im Zusammenschluss „Tierbefreiung goes Blockupy“ und/oder im Blockupy-Bündnis einzubringen. Informationen und konkrete Angaben findet ihr auf den unten stehenden Webseiten. Unten stehen zudem die vorerst wichtigsten Termine.

Zu den dezentralen Aktionstagen im Mai haben wir vereinbart, unsere Proteste auf die Fleischindustrie zu konzentrieren: von den Ställen, den Transportunternehmen und Schlachthöfen, bis hin zu den Zerlege- und Verarbeitungsbetrieben, dem Groß- und Einzelhandel und den kleinen Metzgereien. Hierbei soll sodann im Sinne des Blockupy-Gedankens nicht nur gegen die an den Tieren verübte Gewalt, ihre Gefangenhaltung, Unfreiheit, Unterdrückung und Tötung protestiert werden, sondern auch gegen die Entfremdungs- und Unterdrückungsprozesse, denen die in den Betrieben arbeitenden Menschen ausgesetzt sind; nicht zuletzt auch gegen die mit der Fleischproduktion verbundenen Herrschaftsverhältnisse gegenüber Menschen imperialistisch unterworfener Länder und mannigfaltigen destruktiven Eingriffen in die Natur.

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Termine

Mai-Aktionstage 2014: Europaweite dezentrale Aktionswoche vom 15. bis 25. Mai 2014

  • 15. Mai: Proteste zum Jahrestag der spanischen 15M-Bewegung sowie gegen den EU-Gipfel in Brüssel
  • 16. Mai: lokale Aktionen in zahlreichen Städten in Europa
  • 17. Mai: größere Proteste in den vier deutschen Städten Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart
  • vom 15. bis 25. Mai: dezentrale Proteste der Tierbefreiungsbewegung gegen die Fleischindustrie

Aktionstage im Herbst/Winter 2014:

  • Mobilisierung nach Frankfurt zum Blockupy Festival
  • Teilnahme an der Demo
  • Durchführung von Workshops

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    Rückblick

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    Wir haben diskutiert, getanzt und das EZB-Gelände kurzzeitig besetzt

    UMZUG hatte das Blockupy-Bündnis den Demonstrationszug am 23.11.2014 in Frankfurt genannt , denn die Aktivist*innen aus den verschiedenen linken Spektren trugen neben Transparenten, Fahnen und Plakaten dieses Mal auch Umzugskartons mit sich auf dem Weg zum Neubau der EZB, mit denen sie ihr symbolisch den Müll zurückbringen wollten, den sie zusammen mit all den anderen herrschenden Akteuren der kapitalistischen Krisenpolitik in den vergangenen Jahren produziert hatte. Auf den Umzugskartons stand geschrieben, gemalt und geklebt, was auf den Müllhaufen der Geschichte gehört: die Ausbeutung, Unterdrückung, Ausgrenzung von und Gewalt gegen Menschen und Tiere und die Zerstörung der Natur.

    Als die Demonstration nach dem Umzug durch die Stadt an der EZB angekommen war, überquerten erst die Umzugskartons den Zaun der EZB, dann etwa 100 Teilnehmende des Protestzugs, die sich durch die Abschottung der EZB nicht aufhalten lassen wollten, direkt ihren Müll vor ihrer Haustüre abzuladen. Schnell flogen auch zwei Kartons, auf denen Bilder und Schriftzüge zur Gefangenhaltung, Ausbeutung und Tötung von Tieren aufgebracht waren, über den Zaun der EZB, ein Banner mit der Aufschrift „Umweltzerstörung und Tierausbeutung unmöglich machen” wurde direkt vor dem Eingang zur EZB entrollt.

    Mehr und mehr Aktivist*innen kletterten über den Zaun, die EZB-Fassade wurde mit Farbe markiert, immer größer wurde der Berg an aufgestapelten Kartons vor der Eingangstüre des Neubaus der EZB, den sie am 18. März 2015 feierlich eröffnen möchte. Derzeit zieht sie bereits in ihr neues Prestigeobjekt ein: ein großes Gelände mit der wuchtigen alten Großmarkthalle aus Stein, aus der optisch zwei neue Wolkenkratzer aus Glas emporsteigen. Wie eine Burg ist das Gelände von einem Graben umgeben, der geflutet werden kann, um unliebsame Besucher*innen – so etwa Protestierende – auf Abstand zu halten. Damit verstärkt die EZB stellvertretend für die anderen kapitalistischen Machtzentren ihre Symbolkraft als antidemokratische Einrichtung, die die neoliberale Krisenpolitik gegen die Bedürfnisse und Interessen des Großteils der Menschen durchsetzt, um das kapitalistische Ausbeutungssystem weiter aufrecht zu halten.

    Über die Folgen und konkreten Opfer der Krisenpolitik, deren Ursachen und Entwicklung sowie über Gegenstrategien wurde bereits in den Tagen zuvor während des Blockupy Festivals in Workshops und Stadtführungen diskutiert. In fünf Arbeitsgruppen arbeiteten Aktive aus verschiedenen linken Kämpfen zudem an Querschnittfragen. Bei Abendveranstaltungen mit Podiumsdiskussionen und Plena kamen die Aktivist*innen zusammen, um gemeinsam zu diskutieren. Wichtiger Bestandteil des Blockupy Festivals bildeten darüber hinaus kritische Filme, Theateraufführungen, eine Fotoausstellung und Matinée. Austauschen und entspannen konnte man sich zudem bei einem Konzert, einer Party und einem Barabend.
    Tierbefreiungsaktivist*innen führten im Rahmen des Blockupy Festivals einen gesellschaftstheoretischen Workshop zu „Natur und Tiere in der Krise” und einen praxisorientierten Workshop zu Ankettaktionen durch. In beiden Workshops fand der wichtige Austausch mit Aktiven anderer sozialer Kämpfe statt. Im ersten Workshop wurde zum Verhältnis von ökonomischer, ökologischer, sozialer und politischer Krise und dem Tierausbeutungssystem gesprochen, im zweiten wurde über effektive Blockadeaktionen und -mittel, deren Durchführung und Probleme diskutiert.

    Auch wenn Tierbefreiungsaktivist*innen bereits seit 2012 an den Blockupy Aktionen teilnehmen, so wurden viele erst durch diese Workshops darauf aufmerksam, dass einen Teil der kapitalistischen Verwertungslogik und ihrer sozialen und politischen Verelendungs- und Zerstörungsmechanismen die verschiedenen spezialisierten Industrien darstellen, die Tiere in Wert nehmen und vernutzen. Dies weckte auch das Interesse der Frankfurter Rundschau, die in ihrer Wochenendausgabe vom 22./23. November 2014 nach einem Gespräch mit Tierbefreiung goes Blockupy den Artikel „Befreit die Tiere” veröffentlichte (zum Artikel hier klicken).

    Wir möchten uns an dieser Stelle recht herzlich beim TierrechtsTopf2014 für die Förderung bedanken, ohne die das Ausmaß und die Reichweite unseres kapitalismuskritischen Engagements bei den Aktionen im Rahmen von Blockupy 2014 nicht möglich gewesen wäre.

    Bis zur Befreiung ist noch ein weiter Weg und der kapitalistische Müllhaufen wird stetig weiter wachsen. Wie dieser zu beseitigen und Befreiung zu erreichen ist, darüber möchte Blockupy im März weiter diskutieren und am 18. März 2015 in Frankfurt zu den Protesten gegen die Eröffnung des EZB-Neubaus zusammenkommen.

    Die Beteiligung von Tierbefreiung goes Blockupy am Blockupy Festival 2014 wurde vom TierrechtsTopf2014 gefördert. DANKE!